E-Autos in der aktuellen Diskussion

Derzeit erlebe ich, dass gerade über Elektroautos und ihre vermeintliche oder tatsächliche Umweltfreundlichkeit sehr heftig diskutiert wird. Dabei stoße ich immer wieder auf die gleichen "Argumente", die aus meiner Sicht ziemlich konstruiert und zum Nachteil des E-Autos hingebogen wurden. Daher sammle ich hier ein paar Gedanken, die ich in letzter Zeit immer wieder brauchte.

(wird noch erweitert)

Zwei Tage nach mir hat übrigens die Wirtschaftswoche einen sehr ähnlichen Beitrag veröffentlicht, den ich nur empfehlen kann. Klick hier. https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/falsche-zahlen-steile-thesen-die-mythen-der-e-auto-kritiker/23906014-all.html

Inhaltsverzeichnis

  1. Das E-Auto braucht schon zur Herstellung so viel Energie, dass es die Umwelt mehr belastet als ihr nutzt!
  2. Schaut euch die Lithium-Gewinnung in Chile an! Millionen Liter Wasser werden da verbraucht!
  3. Der Auspuff von deinem E-Auto ist doch nur woanders, nämlich in den Braunkohlekraftwerken!
  4. Ökostrom schön und gut, aber ich sehe es den Elektronen doch nicht an, wie sie produziert wurden!
  5. Der Akku ist doch Sondermüll!
  6. Auch E-Autos produzieren Feinstaub!
  7. Kobalt wird im Kongo mit Kinderarbeit abgebaut!
  8. Der Abbau von Lithium und Kobalt verschmutzt die Umwelt!
  9. Wenn alle E-Auto fahren, bricht unser Stromnetz zusammen!
  10. Also, ich möchte nicht mit einem E-Auto stundenlang im Winter im Stau stehen!
  11. E-Autos sind doch viel zu teuer! Das ist nur was für Reiche!

1. Das E-Auto braucht schon zur Herstellung so viel Energie, dass es die Umwelt mehr belastet als ihr nutzt!

Kurzfassung

Ja: Ein Akku braucht für die Herstellung viel Energie. Jedes Auto belastet die Umwelt. Ein kleines weniger als ein großes. Deshalb ist es auch nicht sinnvoll, einen großen Tesla, sagen wir mal, mit einem Smart (Benziner) zu vergleichen. Die Behauptung "ein E-Auto müsste 8 Jahre fahren, um die Ökobilanz auszugleichen" stimmt so nicht, siehe Link.

Links

https://edison.handelsblatt.com/erklaeren/elektroauto-akkus-so-entstand-der-mythos-von-17-tonnen-co2/23828936.html

mehr dazu

So ein Akku kann sehr klein sein. Der E-Go Live hat eine Reichweite von 100km, super für ein Stadtauto. In einem Tesla können Akkus verbaut sein, die das Vielfache davon an Kapazität und Gewicht haben und natürlich auch entsprechend mehr Energie für die Herstellung brauchen.

Welchen Akku nimmt man nun als Basis für die Berechnung? Den kleinsten? Den größten? Einen Mittelwert, und wenn ja, den arithmetischen oder die tatsächliche durchschnittliche Kapazität aller bisher gebauten Autos? Der letzten zwei Jahren oder seit immer (früher waren die Akkus natürlich kleiner)?

Und dann: Was für eine Stromerzeugung wird verwendet? Nehmen wir den Energiemix von Deutschland auch für Tesla in den USA her? Oder gar, wie oft von Gegnern des E-Autos, den deutschen Energiemix von 2013, als wir noch deutlich weniger Ökostrom hatten? Oder rechnen wir mit Teslas Angaben, die sagen, sie verwenden ausschließlich Ökostrom? Wie ist das mit Akkus, die in China hergestellt werden, welche Umweltbelastung entsteht dort durch den Stromverbrauch bei der Herstellung?

Der Wert, der immer wieder kursiert mit 17 Tonnen CO2 für einen einzigen Akku ist jedenfalls nach meinem Verständnis der für einen richtig großen Tesla-Akku ohne Ökostrom. Das ist also ein Wert, der zumindest nach Teslas Angaben falsch ist.

Noch was zu den acht Jahren, die ein E-Auto angeblich fahren müsste: Diese Zahl stammt aus Schweden, wo man auch alle Hybridfahrzeuge zu den Verbrennern zählt. Das senkt natürlich den Durchschnittsverbrauch der Verbrenner. Aber selbst dann ist die Zahl so nicht korrekt, siehe verlinkten Artikel.

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2. Schaut euch die Lithium-Gewinnung in Chile an! Millionen Liter Wasser werden da verbraucht!

Kurzfassung

Der Salar de Atacama ist eben kein Trinkwasser, sondern eine Salzlake. Es mag dort nicht schön aussehen - aber im Vergleich zu Ölbohrfeldern und den durch havarierte Öltanker verursachten Verschmutzungen und Ölpests ist das relativ harmlos. Lithium wird dort schon seit Jahrzehnten abgebaut - wir brauchen es für fast alle elektronischen Geräte. Bisher hat der Abbau dort niemanden interessiert, obwohl das wichtig wäre. Im übrigen gibt es auch andere Lithium-Vorkommen auf der Welt. Dazu kommt: Während das meiste Lithium nach Verbrauch weggeworfen wird, kann es aus den Akkus wiedergewonnen und neu verwendet werden. Dazu kommt, dass die Akkuforschung mehr und mehr wegkommt von Lithium zu anderen Materialien, deren Gewinnung weniger umweltbelastend ist.

Links

https://energiewende-rocken.org/prof-lesch-die-atatcama-wueste-und-das-zdf-planet-e-nachgehakt/

mehr dazu

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3. Der Auspuff von deinem E-Auto ist doch nur woanders, nämlich in den Braunkohlekraftwerken!

Kurzfassung

Klar - wenn man mit dem deutschen Strommix von 2013 rechnet, wie viele Gegner das tun, ist das E-Auto nicht so wahnsinnig umweltfreundlich. Immerhin entlastet es dann trotzdem die Städte von Abgasen ("lokal emissionsfrei"). Allerdings tankt die weitaus größte Mehrheit der E-Auto-Besitzer wo immer möglich Ökostrom, der überhaupt keine Abgase produziert.

Links

https://utopia.de/bestenlisten/die-besten-oekostrom-anbieter/

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Schon der Strommix von 2018 mit knapp 40% Ökostromanteil bedeutet eine deutliche Verbesserung der Ökobilanz eines E-Autos. Aber selbst das ist viel zu pessimistisch gerechnet, denn die weitaus größte Zahl der E-Auto-Besitzer fährt natürlich mit Ökostrom, wo immer es geht. Dann sieht die Rechnung schon ganz anders aus.

Dann kommt noch die Sache mit der Umweltbelastung durch den "getankten" Strom für die Fahrt. Auch da rechnen viele Gegner mit dem deutschen Strommix von 2013 und "übersehen" (absichtlich? So sieht es für mich jedenfalls aus), dass zum einen die meisten E-Auto-Besitzer zu Hause Ökostrom tanken und zum anderen auch der deutsche Strommix eben deutlich umweltfreundlicher geworden ist. An die 40% Öko-Anteil.

Aber auch Ökostrom ist nicht gleich Ökostrom. Wenn der Stromanbieter nur aus seinem Strommix den Ökstrom-Anteil aus alten, längst abgeschriebenen Wasserkraftwerken herausrechnet und dafür den übrigen Kunden halt "schmutzigeren" Strom verkauft, ist gar nichts gewonnen. Daher die Empfehlung, nur Stromlieferanten zu nehmen, die ausschließlich Ökostrom produzieren und dafür auch in neue Kraftwerke investieren. Siehe dazu der Link zu Utopia.

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4. Ökostrom schön und gut, aber ich sehe es den Elektronen doch nicht an, wie sie produziert wurden!

Kurzfassung

Das stimmt. Die Produktion des tatsächlich genutzten Stroms kann ich nicht beeinflussen. Aber ich kann beeinflussen, wer die von mir genutzte Strommenge wieder nachproduzieren soll.

Links

https://www.oekostrom-anbieter.info/oekostrom/der-stromsee.html

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Oft wird dazu das Beispiel vom "Stromsee" verwendet, siehe auch der Link oben. Alle Anbieter leiten ihren Strom in diesen "See". Ich zapfe meinen Strom aus dem See ab, und diese Menge muss "nachgefüllt" werden. Mit der Wahl meines Stromanbieters kann ich also nicht darüber entscheiden, wie der tatsächliche Strommix aussieht, der bei mir aus der Steckdose kommt. Aber ich kann darüber entscheiden, wer wieder Strom in den "Stromsee" nachfüllt.

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5. Der Akku ist doch Sondermüll!

Kurzfassung

Nö. Recycling funktioniert schon heute.

Links

  1. https://www.welt.de/sonderthemen/energiewende/article158445858/Noch-genug-Kraft-fuer-ein-zweites-Leben.html
  2. https://www.electrive.net/2019/01/16/mythos-sondermuell-batterie-recycling-funktioniert/

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Erst einmal bekommen Auto-Akkus, wenn ihre Kapazität nachlässt, oft ein "zweites Leben" als Stromspeicher in Häusern oder sonstwo. Denn dafür reicht es noch. Wenn dann wirklich Ende ist: Der allergrößte Teil der Akkus kann heute schon recycelt werden. Hier fehlt es noch an der politischen Unterstützung, das auszubauen. Dazu kommt: Durch den hohen Bedarf bei E-Autos wird die Akku-Forschung in ungeahnter Weise angekurbelt. Dabei werden neue Akku-Arten entwickelt, die die Umwelt deutlich weniger belasten, z.B. aus Abfällen bei der Papierherstellung.

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6. Auch E-Autos produzieren Feinstaub!

Kurzfassung

Stimmt. Aber etwas weniger. Trotzdem: Lieber ÖPNV.

Links

https://www.ksta.de/wirtschaft/verkehr-oepnv-tickets-im-vergleich-zu-2000-79-prozent-teurer-31315150

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Ein E-Auto produziert deutlich weniger Feinstaub als ein Verbrenner - insbesondere, weil die Bremsklötze kaum genutzt werden. Schließlich wird so viel wie möglich von der Bremsenergie erst einmal in Strom umgewandelt (Rekuperation), Bremsklötze werden daher praktisch gar nicht abgenutzt.

Trotzdem: Das E-Auto ist nicht die Antwort auf alle Umweltfragen. Überhaupt nicht. Es verbraucht weiterhin Energie in der Herstellung und im Betrieb. Es verbraucht Platz, gerade in der Stadt. Es produziert Staus und Parkplatzprobleme. Es produziert Feinstaub, insbesondere durch den Reifenabrieb. Deshalb wäre ein konsequenter weiterer Ausbau des ÖPNV wesentlich wichtiger.

Ich sehe durchaus eine Gefahr darin, dass Besitzer von E-Autos sich in ihrer "Umweltfreundlichkeit" bestätigt sehen und dann lieber mit dem Auto fahren, wo sie locker auch mit dem Bus oder der Bahn unterwegs sein könnten. Aber das ist dann ein persönliches Problem. Oder auch ein politisches?

Die Preise für ÖPNV-Nutzung sind seit dem Jahr 2000 um knapp 80% gestiegen. Die für ein Auto nur um 36%.

Tickets für den Nahverkehr werden mit 7%, ab 50km mit 19% besteuert. Flugtickets ins Ausland sind teilweise völlig steuerbefreit.

An diesen Punkten könnte man leicht politisch etwas ändern ...

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7. Kobalt wird im Kongo mit Kinderarbeit abgebaut!

Das stimmt leider. Etwa 20% des Abbaus geschieht nicht-industriell, dabei werden auch Kinder unter Tage geschickt. Das ist aber kein reines E-Auto-Problem, sondern eines unserer Weltwirtschaft. BMW nimmt übrigens gar keinen Kobalt aus dem Kongo, genau aus diesen Gründen.

Links

https://www.wiwo.de/unternehmen/auto/elektroauto-batterien-bmw-will-fairen-kobalt-abbau-im-kongo-erproben/23699896.html

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Das ist nicht die dunkle Seite des E-Autos, wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung titelte (20.1.19, offenbar leider nicht online), sondern unserer gesamten Weltwirtschaft. Denn (Lithium und) Kobalt brauchen wir nicht nur für die E-Akkus. Das läuft da seit Jahrzehnten so. Und Kinderarbeit und ausbeuterische Strukturen sind leider überall an der Tagesordnung, ich sage nur Textilindustrie.

Ja, dagegen müssen wir angehen, unbedingt. Gegen diese Strukturen wende ich mich auch schon seit über 30 Jahren. Aber sie sind wirklich nicht allein dem E-Auto anzulasten.

Übrigens haben die Batterie-Hersteller genau deshalb eine "Batterie-Allianz" gegründet, um diese ausbeuterischen Strukturen und auch die Umweltbelastungen gemeinsam einzudämmen. Für BMW kommt der Kauf von Kobalt aus dem Kongo "nicht infrage", solange sich die Bedingungen dort nicht ändern. BMW investiert nun allerdings in ein faires Pilotprojekt, um Verhältnisse zu schaffen, unter denen auch Kobalt aus dem Kongo verwendet werden kann. So hilft vielleicht sogar die erhöhte Aufmerksamkeit, die das E-Auto den dortigen Produktionsbedingungen verschafft, um die Situation von Mensch und Umwelt deutlich zu verbessern.

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8. Der Abbau von Lithium und Kobalt verschmutzt die Umwelt!

Stimmt. Allerdings weniger als der Abbau von Erdöl. Gleichzeitig steigt der Druck, umweltfreundlichere Akkus zu entwickeln.

Links

https://edison.handelsblatt.com/erklaeren/akkus-ohne-kobalt-sauber-aber-noch-nicht-marktreif/22847846.html

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Erdölgewinnung ist weltweit gesehen vermutlich schlimmer als diese wenigen Stellen, an denen Lithium und Kobalt abgebaut werden. Schon eine einzige "Ölpest" durch einen havarierten Tanker reicht da. Als ganz anderes Beispiel nenne ich mal relativ willkürlich die Vergiftung der großen Flüsse in Papua-Neuguinea durch die Grasberg-Mine (Kupfer und Gold). Hier gilt das gleiche wie unter 7. gesagt: Diese Strukturen, denen die Umwelt für den Profit egal sind, müssen wir weltweit bekämpfen. Auch in diesen Minen, ob Lithium (siehe oben Nr. 2) oder Kobalt. Und wie schon mal geschrieben: Durch den hohen Bedarf an Akkus wird endlich richtig viel Geld in die Entwicklung neuer Akku-Technologien gesteckt. Demnächst gibt es z.B. eventuell Akkus aus Lignin - einem Abfallprodukt der Papierherstellung. (Leider finde ich den Link dazu gerade nicht mehr.)

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9. Wenn alle E-Auto fahren, bricht unser Stromnetz zusammen!

Kurzfassung

Nö. Alle PKWs zusammen würden etwa 15% des in Deutschland erzeugten Stroms verbrauchen. Das ist weniger, als wir derzeit exportieren. Auch die Nachtspeicheröfen und Durchlauferhitzer in den Siebzigern hatten in etwa diesen Verbrauch.

Links

  1. https://www.wiwo.de/technologie/mobilitaet/elektromobilitaet-reicht-der-strom/20231296-2.html
  2. https://www.electrive.net/2019/01/30/der-blackout-in-der-e-mobility-allee-bleibt-aus/
  3. https://www.evn.at/EVN-Group/Uberblick/Aktuelles/Archiv/2017/Praxistest-Feldversuch-in-Seitenstetten.aspx
  4. https://www.adac.de/der-adac/motorwelt/reportagen-berichte/auto-innovation/elektroautos-stromnetz-stabilisieren/
  5. https://www.zolar.de/blog/elektro-auto-mit-photovoltaik-anlage

mehr dazu

Ganz so einfach ist es natürlich nicht: Während die zusätzliche Stromproduktion angesichts der Reserven durch kaum genutzte Gaskraftwerke selbst dann kein großes Problem wäre, wenn wir die meisten Kohlekraftwerke abschalten würden, ist die Verteilung vor Ort schon schwieriger. Das liegt allerdings daran, dass viele Stadtwerke Kapazitäten abgebaut haben, die früher da waren. Mehr dazu im WiWo-Link (1) oben.

Eine Feldstudie in einer typischen Einfamilienhaus-Siedlung hat außerdem gezeigt, dass es gar nicht so problematisch ist, wie man vielleicht denken könnte: Von zehn E-Autos haben immer maximal vier gleichzeitig geladen. Siehe zweiter Link. Das entbindet die Versorger vor Ort natürlich nicht davon, an einigen Stellen abgebaute Leitungskapazitäten und Verteiler/Transformatoren etc. wieder aufzubauen. Aber es zeigt, dass die Sache vermutlich nicht ganz so gravierend wird wie gedacht, zumal sich die Umstellung ja über viele Jahre hinziehen wird und nicht von heute auf morgen alle ein E-Auto kaufen. Siehe dazu Link 2und 3.

Im Gegenteil laufen derzeit erste Versuche, mit den Akkus der E-Autos das Stromnetz zu stabilisieren: In Spitzenlastzeiten könnten die Akkus (etwa des Nissan Leaf, der dafür ausgelegt ist) einen Teil der gespeicherten Energie wieder abgeben - jedenfalls dann, wenn der/die Besitzer/in das zugelassen hat, weil das Auto in der nächsten Zeit nicht benötigt wird. Siehe Link 4 oben.

Zusätzlich haben gerade Einfamilienhausbesitzer mit E-Auto oft eine Photovoltaikanlage auf dem Dach, die die Last wieder reduziert. Schon aus dem einfachen Grund, weil es sich rechnet. (Link 5)

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10. Also, ich möchte nicht mit einem E-Auto stundenlang im Winter im Stau stehen!

Kurzfassung

Ähm, doch. Das hält länger warm als die meisten Verbrenner. Kommt allerdings ein bisschen auf die Heiztechnik an.

Links

https://www.zeit.de/mobilitaet/2017-03/elektroauto-temperatur-reichweite-einfluss-renault-zoe-autobahn

mehr dazu

Klar: Ein E-Auto hat im Winter eine geringere Reichweite. Ein Grund dafür ist, dass ein Verbrenner sowieso 80% der Energie in Wärme umwandelt (was für eine Energieverschwendung, aber das nur am Rande!) und damit locker das Auto heizen kann. Viele E-Autos haben deshalb für die Heizung eine Wärmepumpe. Der Zoe hat's serienmäßig, andere gegen Aufpreis, obwohl das wirklich Serie sein sollte, finde ich.

Beispiel: Die Wärmepumpe-Heizung beim Zoe braucht etwa 2 kW bei einer Akku-Kapazität von 41 kWh. Das bedeutet: Bei voller Batterie 20 Stunden heizen, bei halbvoller immer noch 10 Stunden. Motor muss ja nicht laufen, auch sonst nicht unbedingt irgendwas.

Bei einem Diesel wäre da längst Ende im Standgas, denn die Filter brauchen Leistung im Motor, damit sie sich nicht zusetzen. Spätestens nach 6 Stunden gibt es da heftige Probleme. Eine Diesel-Standheizung braucht ca. 0,3 Liter pro Stunde, aber nach wenigen Stunden ist die 12V-Batterie leer und dann geht auch nichts mehr.

Fazit: Wenn schon stundenlanger Stau im Winter, dann lieber in einem Zoe als im Diesel.
(einige Angaben in diesem Textteil wurden von Christian v. Rotenhan beigesteuert - danke dafür!)

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11. E-Autos sind doch viel zu teuer! Das ist nur was für Reiche!

Kurzfassung

Oft ist die Anschaffung teurer, der Betrieb aber umso günstiger. Ein E-Auto rechnet sich meistens. Sagt sogar der ADAC.

Links

  1. https://www.adac.de/rund-ums-fahrzeug/e-mobilitaet/antrieb/elektroauto-kostenvergleich/
  2. https://ecomento.de/2015/03/20/elektroauto-taxi-spart-unternehmen-80-000-euro/

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Insbesondere durch den Akku ist der Anschaffungspreis eines E-Autos oft relativ hoch. Auf der anderen Seite hat es schlicht weniger Teile, die kaputtgehen können: Keinen Auspuff, keine Kupplung, selbst die Bremsklötze nutzen sich wegen der Rekuperation nicht ab. Und auch die Stromkosten pro Kilometer sind deutlich unter dem, was man für Benzin/Diesel zahlen muss. Das sagt sogar der ADAC in seiner "Vollkostenrechnung", siehe Link.

Viele Hersteller versuchen, es potentiellen KundInnen leichter zu machen: Eine Mietbatterie senkt den Kaufpreis gewaltig und lohnt sich insbesondere bei Wenigfahrern. Leasingangebote senken das finanzielle Risiko. Und auch Gebrauchtwagen sind inzwischen auf dem Markt. Die Leistung der Batterien ist auch nach Jahren normalerweise noch sehr gut (und bei Mietbatterien bekommt man im Zweifelsfall auch noch eine neue.)

Übrigens: Wer ein eigenes Haus hat, sollte auch die Anschaffung einer Photovoltaikanlage prüfen. Die beiden gemeinsam sind ein ziemlich gutes Gespann, wenn man es intelligent anstellt und erzeugten, aber nicht vom Haus verbrauchten Strom quasi kostenlos ins E-Auto umlenkt. Die Investitionskosten hat man selbst bei kompletter Kreditfinanzierung normalerweise nach zehn Jahren wieder drin.

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