Zum ersten Mal habe ich mich an ein Buch im französischen Original gewagt. Und wie damals, als ich mit „Kaas“ mein erstes niederländisches Buch las, war es auch hier ein echter Klassiker: Der kleine Prinz.
Ein Buch, das mich als Kind und junger Erwachsener ehrlich gesagt nicht so richtig abgeholt hat. Ich fand das irgendwie immer etwas affig. OK, "man sieht nur mit dem Herzen gut", schöner Satz, netter Kalenderspruch.
Vielleicht bin ich einfach offener geworden für die sehr spielerische Gedankenwelt des kleinen Prinzen. Vielleicht war es auch, dass ich für jeden Satz wegen der fremden Sprache ein wenig mehr Zeit brauchte und dadurch nicht so über alles hinweg lesen konnte. Man liest eben nur mit dem Herzen gut, um das Zitat einmal abzuwandeln, und das muss erst einmal hinterherkommen. Mich hat das Buch diesmal, vermutlich mehr als vier Jahrzehnte nach dem ersten Lesen, viel mehr berührt als früher.
Der kleine Prinz reist von Planet zu Planet und trifft die seltsamsten Gestalten, die alle ihre ganz eigenen Probleme haben - und die uns vor Augen führen, wie wir Menschen manchmal tatsächlich leben. Wie wir uns in eine Aufgabe verbeißen oder wie wir uns selbst für den schönsten halten und so weiter. Einige davon hatte ich ganz vergessen, den Laternenanzünder beispielsweise, der seiner Aufgabe treu bleibt, obwohl sie immer anstrengender wird.
Was macht Freundschaft aus? Darüber philosophiert der kleine Prinz mit dem Fuchs. Was macht "meine" Rose zu einer besonderen, wo es doch Tausend anderer Rosen gibt? Weil ich mich um sie gekümmert habe. Weil sie mich gezähmt hat. Weil nur diese eine Rose es ist, für deren Wohergehen ich so vieles getan habe.
Das Ende war mir, ehrlich gesagt, nicht mehr geläufig. Es ist ein wenig traurig, natürlich, denn es geht ums Abschiednehmen. Aber es geht auch darum, Freunde zu bleiben, selbst bei einem Abschied für immer, der wie ein Tod aussieht.
So endet das Buch hoffnungsvoll - mit Sternen, die lachen.
Obwohl manche Sprachformen in dem Buch wohl veraltet sind, war es übrigens ein guter Einstieg in die französische Literatur. Denn die Sätze sind kurz, die Erzählweise relativ einfach. Klar kannte ich einige Wörter nicht, aber in der Regel kann man darüber hinweglesen. Wenn es um wirklich zentrale Begriffe ging, half auch mal das eingebaute Wörterbuch des Tolino weiter.
Früher hätte ich dem kleinen Prinzen vielleicht drei Punkte gegeben. Aber heute ist er mir volle fünf wert. Gebt diesem Buch doch auch mal wieder eine Chance!
Antoine de Saint-Exupéry: Le petit prince. Avec des aquareilles d'auteur. Buch (Softcover), 94 Seiten, Verlag Gallimard, ISBN 978-2-07-075589-9
Epub EAN 4066339601277 veröffentlicht November 2024 Verlag/Hersteller e-artnow
(und zahlreiche weitere Ausgaben)
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