Faschingspredigt

Faschingspredigt am 10.2.2002

Liebe Gemeinde!

Faschingssonntag in der Kirch?
Was ist denn das für ein Gewürch?
Zum Gottesdienst ein ernst Gesicht
Man zieht! Es lacht hier keiner nicht!
Vorfastenzeit, die haben wir!
Der Aschermittwoch steht vor der Tür.
Da heißt es ernst sein, beten, schweigen,
sich nicht einreihen in den Reigen
der Menschen, die nun überall
froh tanzen, lachen allzumal.
Fasten? Hört, was der Prophet
Jesaja uns so sagt. Es steht
Im 58. Kapitel drin.
Vom Fasten, sagt er, ist der Sinn
Ein andrer. Doch hört selber hin.

Jesaja 58,1-9

  1. Rufe getrost, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden!
  2. Sie suchen mich täglich und begehren, meine Wege zu wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie begehren, dass Gott sich nahe.
  3. Warum fasten wir, und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib, und du willst´s nicht wissen?“ - Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter.
  4. Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll.
  5. Soll das ein Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit, wenn ein Mensch seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der Herr Wohlgefallen hat?
  6. Das aber ist ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg!
  7. Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!
  8. Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und die Herrlichkeit des Herrn wird deinen Zug beschließen.
  9. Dann wirst du rufen, und der Herr wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Hier bin ich.

 

Man siehts im Fernsehn, auf der Straße:
Sehr viele ham ne rote Nase.
Die ist nicht wirklich echt, oh nein,
die tragen die Leute bloß zum Schein.
Doch bald, am Mittwoch dann, oh Schreck,
dann ist die rote Nase weg.
Ein Kater bleibt nur übrig dann
von all dem Faschings-Tamtamtam.
Die Leute fangen an zu klagen,
politisch überall zu fragen:
Was können wir nun besser machen?“
Man hört kein Singen, hört kein Lachen.
In sich gehen plötzlich alle Leute,
verzichten auf so manche Freude.
Da gibt’s sogar ne Aktion,
die nennt sich „sieben Wochen ohn´“

Einer fastet vom Alkohol
und resümiert: „Ich fühl mich wohl!
Denn Apfel- und Orangensäfte,
die wecken ungeahnte Kräfte.
Mein Leben hat jetzt wieder Sinn,
weil ich nun alkoholfrei bin.“

Ein andrer sagt: „Ich finds zwar schade,
doch faste ich von Schokolade.
Den innern Schweinehund bezwingen
will ich, und hier den Sieg erringen
Mein Leben hat jetzt wieder Sinn,
weil ich nun frei von Schoko bin.“

Ein dritter sagt: „Ich fahre dann
für sieben Wochen Bus und Bahn.
Denn ohne Auto geht es auch.
Ein bisschen Fahrrad ist gut fürn Bauch.
Mein Leben hat jetzt wieder Sinn,
weil ich nun frei vom Auto bin.“

Und nun? Was bringts? Wo ist der Sinn,
wenn ich nur ohne etwas bin?
Bringt dir denn dieser hehr´ Verzicht
nun wirklich etwas? Oder nicht?
Ist dein Verzicht denn wirklich Lust
oder nicht vielmehr oft viel Frust?
Was willst mit Fasten du erreichen?
Willst du dir Gottes Gunst erschleichen?
Willst deine Freiheit dir beweisen?
Und damit Gott nen Dienst erweisen?
Was soll die Leere denn dann füllen,
die du erzeugst, mit gutem Willen?
Die größte Frage, die ist das:
Macht glauben dir denn niemals Spaß?

Jesaja sagt entschieden nein!
Gott will das nicht, drum lasst es sein!
Gott will nicht, dass die Menschen stöhnen,
sich selbst die Freud am Leben nehmen.
Sie sollen singen, tanzen, lachen,
und andern Menschen Freude machen.
Wer hier lässt hängen seinen Kopf,
ist wirklich ein ganz dummer Tropf.
Weil Gott es gar nicht gut gefällt,
wenn er das Leben sich vergällt.

Ein echtes Fasten, das ist mehr
als nur Verzicht auf Schnaps und Teer.
Zu fasten, das ist wohl nicht schlecht,
doch muss man es verstehen recht.
Es geht nicht um die äußren Dinge,
darum, dass man sich selbst bezwinge,
dass Schokoladensucht vergeht
und man den Alktest übersteht.

Wer sich von Zwängen hat befreit,
sich selber leer macht, ist gescheit.
Doch muss er dann mit gutem Willen
Sein eignes Ich auch wieder füllen.
Echtes Fasten ändert eben,
nimmt man es ernst, das ganze Leben.
Um Nächstenliebe geht es hier,
nicht um Verzicht auf ne Maß Bier.
Dem Hungrigen das Brot zu brechen,
dem Penner Wohnung zu versprechen,
dem Habenichts das nötige Gut.
"Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“
So sagte es uns der Prophet.
Das ists, was Christen gut ansteht.
Wer sich von Gott weiß schon befreit,
der hat für dieses Fasten Zeit.
Wer sich von Gott schon weiß geliebt,
in Liebe der sich gerne übt.
Gott nimmt dich an, so wie du bist!
Und wärst du auch ein schlechter Christ,
wenn du zu ihm gehst und ihm sagst,
dass du dich gerne ändern magst,
dann ist das mehr als jedes Fasten.
Dann hast du wirklich was im Kasten.

Darauf kommts dem Propheten an.
Das, sagt er, das ist recht getan.
So kannst du gerne richtig fasten
Und zwischendurch auch einmal rasten.

Denn nicht gut ists, nur ernst zu sein.
Auch Jesus trank sehr gerne Wein.
Wer hier lässt hängen seinen Kopf,
ist wirklich ein ganz dummer Tropf.
Weil Gott es gar nicht gut gefällt,
wenn er das Leben sich vergällt.

So lasst uns nun mit frohem Mut
Das tun, was jeder gerne tut.
Lasst uns nun, trotz manchem Weh,
das Frohe heben in die Höh.
Die Freud, dass Gott uns hat gemacht,
so dass man singt und tanzt und lacht.

Sagt frohen Muts die Botschaft weiter
Von Gott, und sagt es allen heiter,
dass Gott uns liebt. Zeigtes all denen,
dich sich schon in der Hölle wähnen,
die glauben, niemals mehr zu lachen,
weil so viel Ding ihnen Sorgen machen.

Gott weist uns aufeinander hin.
Denn wenn ich nur alleine bin,
dann kann ich nicht sehr viele Sachen,
die wirklich etwas bringen, machen.
Tut euch zusammen, als Gemeinde.
Hier findet man auch viele Freunde.
Tut euch zusammen, zeigt der Welt,
was für ein Tun Gott gut gefällt.
Jesaja sagt uns, was es ist,
auch wenn’s nicht immer einfach ist.
Dem Hungrigen das Brot zu brechen,
dem Penner Wohnung zu versprechen,
dem Habenichts das nötige Gut.
„Entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!“
So sagte es uns der Prophet.
Das ists, was Christen gut ansteht.
Dazu wir Gottes Geist bekamen.
Er helfe uns. So sei es. Amen.

Lied: Brich mit den Hungrigen dein Brot

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