Testbericht HTC Legend

Seit längerem trage ich mich mit dem Gedanken, meine Terminplanung auf ein elektronisches Gerät umzustellen; ein paar verschwitzte Termine (hatte nicht in den Kalender geschaut) machten das Problem immer drängender. Dazu kam die Tatsache, dass unser Navi anfängt zu spinnen und mein Handy nach den üblichen zwei Jahren doch langsam anfängt, erste Macken zu zeigen.

Also, warum nicht alles auf einen Schlag lösen? Zum Beispiel mit einem Android-Handy. Das kann alles. In Frage kamen für mich bei der Suche das Motorola Milestone und das HTC Hero. Milestone hat eine ausklappbare Tastatur, ganz nett, aber nach kurzem Test in einem Geschäft verworfen. Und fürs Hero war dann schon der Nachfolger da: Das HTC Legend. Vertrag mit Internet-Flatrate abgeschlossen und gekauft. 

Nach nunmehr einer Woche muss ich sagen: Dieses Handy ist wirklich das, was ein Engländer unter „Handy“ versteht: Nützlich. Die Terminverwaltung ist übersichtlich, externe Termine (z.B. die Spiele der deutschen Nationalmannschaft bei der WM oder meine sowieso im Internet veröffentlichten Termine der Citykirche) können problemlos eingebunden werden. Die „Füllstandsanzeige“ in der Monatsübersicht gibt einen ersten Eindruck, wie voll ein Tag schon ist, und auch, ob die Termine eher früh oder nachmittags liegen. Auf meiner Startseite wird mir immer der nächste Termin angezeigt. Und mit der Aufgabenverwaltung „Astrid“ aus dem Marketplace vergesse ich jetzt hoffentlich nichts wichtiges mehr. 
Terminverwaltung: twelve points.

Apropos Internet: Das Ding hat natürlich nicht nur die diversen schnellen Handy-Anbindungen, sondern auch noch W-LAN und Bluetooth an Bord. Ach ja, und GPS und einen Beschleunigungssensor, also alles, was heutzutage so üblich ist. Per USB kann man es selbstverständlich auch an den Computer anschließen. 
Also: Kommunikation: twelve points. Die technischen Details könnt ihr in jedem anderen Bericht nachlesen, die brauche ich hier nicht zu erwähnen.

Eine Kamera hat das Teil auch. 5 Megapixel. Kurze Reaktionszeit. Gute Bilder. Blitz. Für eine Handykamera wirklich ausgezeichnet. Nur um den Auslöser zu finden, musste ich erst mal in die Anleitung schauen. Dann stellte ich fest, dass der kleine runde Böbbel unten gar kein Mikrofon ist, sondern so eine Art optische Maus, auf die man auch drücken kann. Noch ein Feature. Und Lächeln! Ach ja, die GPS-Daten werden, wenn man das will, zusammen mit dem Foto gespeichert. 
Kamera: twelve points. Jedenfalls für eine Handykamera.

Die Adressverwaltung integriert alles. Facebook-Kontakte (mit Foto und, soweit für mich freigegeben, Telefonnummer und Adresse) können mit vorhandenen Kontakten (z.B. den aus meinem alten Handy importierten) verknüpft werden, dabei macht das Legend Vorschläge, letztlich muss ich aber bei jeder Person selber entscheiden. Gruppen können natürlich zusammengefasst werden, aber wenn ich jemanden erreichen will, ist das so einfach, dass das alles fast nicht nötig ist: Das Telefon zeigt mir eine Handy-Telefontastatur, ich kann nach Belieben anfangen, einen Namen oder eine Telefonnummer einzugeben, in einer Liste wird mir alles angezeigt, was an Namen oder Nummern noch so passt. Um Annette mit der Nummer 09721-58802938 (fiktive Nummer!) anzurufen, kann ich also mit 097 anfangen, aber auch mit 2663 (Das sind die Tasten mit der Buchstabenbelegung A-N-N-E...) - leider nicht mit 588 (also ohne Vorwahl). Nachteil: Auch Nummern, die mit der Ländervorwahl abgespeichert sind (also +499721-58802938) werden nur erkannt, wenn ich auch mit +49 anfange. Ansonsten: Sehr gelungen. 
Adressverwaltung und Telefon: ten points.

Leider wird mit dem Legend nicht gleich eine vernünftige Navi-Software mitgeliefert, aber Google Maps ist natürlich drauf. Ich habe jetzt mal eine Testversion von Navigon installiert, die zwar sicher navigiert, mir aber von der Darstellung nicht so gefällt. Gerüchteweise soll übrigens auch Tomtom an einer Software für Android arbeiten, fürs iPhone haben sie ja schon was. Mal sehen, ist nicht ganz so dringend. Die Lautstärke der Ansagen reicht jedenfalls locker aus, auch wenn das Radio an ist. 
Handyortung geschieht je nach Einstellung über das Mobilfunknetz und erreichbare Wlan-Netze (ungenau) oder natürlich sehr genau, schnell und zuverlässig über GPS. Funktionert super. Findet seine Position innerhalb von wenigen Sekunden.
GPS: twelve points. Beigelegte Software: eight points.

Musik habe ich mir bisher nur ganz kurz angehört, mit den beigelegten Kopfhörern (Klinkenstecker) hört sie sich klasse an. Twelve points.

Für mich eine wichtige Frage: Würde ich mit der Tastatur zurechtkommen? Das Legend stellt drei verschiedene zur Verfügung: Standard Handytastatur, eine Mischform mit je zwei Buchstaben pro Taste und eine komplette qwertz-Tastatur, die mir nach kurzer Gewöhnungsphase sehr gut gefällt. Diesen Text schreibe ich gerade auf dem Legend - es funktioniert immer besser. Und die Vorschläge der Textkorrektur sind auch ziemlich treffsicher. Allerdings gerate ich ziemlich oft mit meinen Wurstfingern auf die jeweils darunter liegende Taste. Mit mehr Übung wirds aber immer besser. Problematisch ist es allerdings, den Cursor genau zwischen zwei Buchstaben zu platzieren. Leider kann man ja bei dieser Art von Touchscreen auch keinen Stift verwenden. Aber natürlich kann man den Cursor auch mit dem bereits erwähnten Böbbel steuern, muss man nur erst mal drauf kommen, dass das geht. :-) Demnächst will ich mal einen Text mit PC und mit dem Legend abschreiben. Ich sag euch dann die Anschläge pro Minute. Groß verbesserbar ist die Tastatur aber kaum noch. Ich sach ma: Schreiben: ten points.

Was gibt sonst noch zu erwähnen? 
Ach ja, der Market: Da gibt echt so gut wie alles. Navi-Software, Kompass, DB-Auskunft, Stimmgerät für die Gitarre. Leider versteckt Google einzelne Programme, von denen es nicht sicher ist, ob sie auf diesem Gerät laufen. Den Barcode-Scanner musste ich erst von Hand herunterladen und installieren; Wikitude habe ich noch nicht installieren können. Es ist fast wie früher beim guten alten Amiga, wo man im Aminet für jeden noch so abgefahrenen Zweck ein Programm kostenlos herunterladen konnte. Aminet, äh, Marketplace: ten points.

Akku
Die vielen Funktionen haben ihren Preis: mit eingeschaltetem WLAN und ab und zu GPS reicht der Akku kaum vom Morgen bis zum Abend. Als Navi fürs Auto geht es also nur mit Ladegerät. Ansonsten kann ich echt nicht klagen. Akku: nine points.

Ach, fast hätte ich vergessen: ich glaube, telefonieren kann man mit dem Teil auch. Muss ich mal bei Gelegenheit ausprobieren. ;-) (nein, im Ernst, das funktioniert natürlich einwandfrei. Twelve points.)

Fazit
Ich glaube, das Legend wird meine Computernutzung viel stärker verändern als ich mir das vorgestellt hatte. Twitter, Facebook, Mail, Termine, Texte, Internet, Homebanking - alles geht. Das ist nicht nur die eierlegende Wollmilchsau, nein, die schlachtet sich auch noch selber und macht Braten mit Klößen. Und es ist viel kleiner und handlicher als mein riesiger 17" Laptop.

Einziger Wermutstropfen für mich persönlich: wenn ich ganze 3 Stunden mit dem Kauf gewartet hätte, hätte ich das Legend bei meinem Lieblingsseller Gethandy für 150 € weniger mit dem gleichen Tarif bekommen. Nun hatte ich es aber schon im Shop gekauft. Allen, die sich jetzt auch so ein Teil zulegen wollen, kann ich Gethandy nur empfehlen.
www.gethandy.de/shop/products/Handys/HTC-Legend.html 

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